Anreise: 05.07. 15:00 Am Hauptbahnhof Greifswald
16:00 Begrüßung im JUZ Klex
Abreise: 07.07. 16:00

(1) Tobias Roth – Geschichte der Gartenstadtbewegung

Die Gartenstadtbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Reaktion auf die negativen Auswirkungen der Industrialisierung und der starken städtischen Verdichtung. Sie verfolgte die Idee von “Gartenstädten” als alternativer Wohnform, die eine Verbindung von Stadt und Land schaffen sollte. ,,Gartenstädte” sollten eine gesunde Umgebung bieten, die Wohnqualität verbessern und soziale Probleme der Großstädte lösen. Die Bewegung betonte Aspekte wie gemeinschaftliches Leben, grüne Freiflächen und eine nachhaltige Stadtplanung. In Zeiten des Klimawandels wollen wir uns neu mit dieser historischen Idee auseinandersetzen.

Tobias Roth ist Münchener Autor, Übersetzer und Essayist. Im Verlag ,,Das kulturelle Gedächtnis” erschien sein Buch „Gartenstadtbewegung. Flugschriften, Essays, Vorträge und Zeichnungen aus dem Umkreis der Deutschen Gartenstadtgesellschaft“. Seit 2021 gibt er „Die grüne Reihe“ im SuKuLTuR-Verlag heraus.

(2) Christian Hofmann – Ökosozialismus, Planung & Degrowth

Die Begriffe Degrowth und Ökosozialismus zirkulieren in einer Debatte rund um die Forderung nach einer Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, bei der statt Profit und Wachstum die Bedürfnisse der Gesellschaft und die ökologischen Grenzen im Mittelpunkt stehen. Wie würde eine demokratische Planung bei einer gerechten Verteilung von Ressourcen aussehen? Den aktuellen Diskurs rund um dieses Themastellt uns Christian Hofmann in Form eines Inputs vor. Danach ist Zeit für Austausch!


Christian Hofmann ist Herausgeber des Bandes „Planwirtschaft. Staatssozialismus,Arbeitszeitrechnung und Ökologie“ im Verlag Promedia. Mit Philip Broistedzusammen publizierte er ebenfalls den Band »Goodbye Kapital« im PapyRossaVerlag.

(3) Special Guest – Klimawandel und Antirassismus

Klimabedingte Katastrophen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren verstärken bestehende soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten. Marginalisierte Gemeinschaften sind oft am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. In der Klimabewegung ist es deshalb wichtig, Antirassismus mitzudenken. Bündnisse zwischen Umwelt- und Gerechtigkeitsbewegungen können außerdem den politischen Druck erhöhen und transformative Veränderungen bewirken. Wie das in der politischen Praxis aussehen kann, erfahren wir in diesem Input.

Unser Überraschungsgast ist Parlamentsabgeordneter für Die Linke und setzt sichseit Jahren für eine Klimapolitik ein, die Antirassismus und Antifaschismus mitdenkt.

(4) Steffen Kühne – Landwirtschaft von links

Wie kann ich mir linke Landwirtschaft vorstellen? Gibt es sowas wie “Vorstufen”? Ein Beispiel ist die “SoLaWi”, die Solidarische Landwirtschaft. Sie ist ein Modell der Lebensmittelproduktion und -verteilung, in dem Landwirt:innen und Verbraucher:innen eine Partnerschaft bilden, in der die Risiken und Erträge der landwirtschaftlichen Produktion geteilt werden. Das Ziel: regelmäßig, frische, lokale und saisonale Produkte direkt vom Hof. Solidarische Landwirtschaft schafft dabei Transparenz über Anbaumethoden und Produktionsbedingungen und reduziert den Einfluss von Zwischenhändler:innen.

Steffen Kühne ist Bereichsleiter des Zentrums für Gesellschaftsanalyse und politische Bildung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

(5) Peter Bierl – Grüner Kapitalismus oder System Change?

Klimabedingte Katastrophen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren verstärken bestehende soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten. Marginalisierte Gemeinschaften sind oft am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. In der Klimabewegung ist es deshalb wichtig, Antirassismus mitzudenken. Bündnisse zwischen Umwelt- und Gerechtigkeitsbewegungen können außerdem den politischen Druck erhöhen und transformative Veränderungen bewirken. Wie das in der politischen Praxis aussehen kann, erfahren wir in diesem Input.

Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft Verdi und aktiv bei LEA (Left Ecological Association). Zuletzt sind von ihm erschienen „Unmenschlichkeit als Programm“ (2022) „Die Legende von den Strippenziehern. Verschwörungsdenken im Zeitalter des Wassermanns“ (2021), „Die Revolution ist großartig – Was Rosa Luxemburg uns heute noch zu sagen hat“ (2020) sowie „Einmaleins der Kapitalismuskritik“ (2018).

(6) Spontane Streiks. Ihr Gelingen und Misslingen

Um 1973 kam es zu einem Anstieg spontaner Streiks beim Autozulieferer Pierburg in Neuss und bei Ford in Köln. Diese Streiks erregten schon damals große Aufmerksamkeit, in den folgenden Jahrzehnten erlangten sie, besonders im Kontext des (post-)migrantischen Aktivismus, eine geradezu ikonische Bedeutung. Ausschlaggebend dafür war sowohl ihr „inoffizieller“ Charakter als auch die Tatsache, dass der Anteil der Migrant:innen an den Streikenden und Initiator:innen überproportional groß und zudem maßgeblich war. Inwiefern gelangen diese Streiks und an welchen Stellen scheiterten sie? Wie sind sie heute aus aktivistischer Perspektive einzuschätzen? Wir wollen gemeinsam mit Bernd Hüttner überlegen, wie sich das historische Wissen heute produktiv verwenden lässt.

Bernd Hüttner ist Referent für Zeitgeschichte und Geschichtspolitik der RosaLuxemburg-Stiftung. Zuletzt sind von ihm u.a. in Mitherausgeberschaft erschienen: „Gelingende und misslingende Solidarisierungen. Spontane Streiks in Westdeutschland um 1973“ (2023), „Klassismus und Wissenschaft: Erfahrungsberichte und Bewältigungsstrategie.“ (2020).

(7) Jane McAlevey: Keine halben Sachen – Lesekreis

Jane McAlevey ist eine US-amerikanische Gewerkschaftsorganisatorin, Aktivistin, Autorin und Wissenschaftlerin. Sie hat eine große Rolle in der Organisation von Arbeitnehmer:innen in verschiedenen Branchen gespielt und ist für ihre starken Positionen zur Bedeutung von Basisorganisationen und demokratischer Partizipation in Gewerkschaften bekannt. Ihr Buch „No Shortcuts: Organizing for Power in the New Gilded Age“ wurde 2019 ins Deutsche übersetzt. Wir wollen uns zusammen mit Nicolas Beck das dritte Kapitel ihres Buches „Gewerkschaften in Pflegeheimen“ anschauen.

Nicolas Beck ist studierter Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied der Linksjugend [‘solid] MV. Er arbeitete ein Jahr lang im Pflegebereich eines Altenheims. Aktuell studiert er in Greifswald Psychologie im Zweitstudium.

(8) Wie geht Gewerkschaftskampf?

Am 2. Februar 2024 startete die zweite bundesweite Streikbewegung nach 2020 mit Arbeitsniederlegungen im kommunalen Nahverkehr in insgesamt 14 Bundesländern. Zu den zentralen Forderungen gehörten angemessene Lohnerhöhungen sowie die Verbesserung von Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen. Das Neue an dieser Streikbewegung war die Bündnisbildung mit Fridays for Future (FFF) und damit die Verknüpfung von arbeitsrechtlichen Verbesserungen mit den klimapolitischen Forderungen nach einer sozialen Verkehrswende. Um möglichst viele Beschäftigte vom Streiken zu überzeugen, musste dabei viel Vorarbeit geleistet werden. Man bezeichnet dieses Mobilisieren auch als „Organizing“. Wie das in der Praxis funktioniert und wie sich das vielleicht in andere Bereiche übertragen lässt, berichtet uns Markus Jakupak.

Markus Jakupak ist Gewerkschaftssekretär mit Betreuungsbereich Organizing bei Verdi. Im Rahmen der #wirfahrenzusammen-Kampagne setzte er sich aktiv für die Verbindung von Arbeitskämpfen mit den klimapolitischen Anliegen von Fridays for Future ein.

(9) Arbeitsmigrant:innen im Kampf um ihre Rechte

In einer globalisierten Welt spielen grenzüberschreitende Arbeits- und Produktionsverhältnisse eine immer größere Rolle. Gerade Deutschland hat sich zu einem der wichtigsten Zielländer für die wachsende Zahl moderner Wanderarbeiter:innen entwickelt, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie nur vorübergehend in einem anderen europäischen Land arbeiten. Für sie hat sich inzwischen der Begriff »mobile Beschäftigte« etabliert. Ihre Arbeit in Deutschland ist gekennzeichnet durch extreme Ausbeutung, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, Lohnraub und die Umgehung arbeitsrechtlicher Normen. Kathrin Birner stellt uns diese Problematik anhand einiger Beispiele vor.

Kathrin Birner arbeitet als Gewerkschaftssekretärin und ist im Netzwerk der Global Labour University aktiv. Die Politikwissenschaftlerin beschäftigte sich unter anderem mit gewerkschaftlichen Graswurzel-Kampagnen, Wertschöpfungsketten bei Amazon und autoritären Denkmustern.

(10) Datengewerkschaften im Kampf gegen Facebook, Google und Co.

Gewerkschaftsbildung mal anders: Ausgehend von den Nachteilen der meistens alternativlosen Einwilligung, die Facebook, Google und Co. für die Nutzung ihrer Services verlangen, wird das Modell von Datengewerkschaften erläutert, ein Zusammenschluss von datenerzeugenden Einzelpersonen. Die Bündelung der Interessen vieler Betroffener zur Schaffung einer ernstzunehmenden Verhandlungsposition ist dabei das Ziel. Eine erste Datengewerkschaft wurde bereits 2018 in den Niederlanden gegründet, deren erklärtes Ziel es ist, direkt mit den Anbieter:innen zu verhandeln, um den Erzeuger:innen der Daten auch einen Anteil an den Gewinnen zu verschaffen. – Wir schauen uns diesen CCC-Vortrag gemeinsam als Stream an.

(11) Bannermalen, Siebdruckwerkstatt und Demotraining

Wir wollen auf dem Sommercamp nicht nur Frontalunterricht und Theorieinput. Wir wollen auch Praxis lernen! Dazu gehört, dass wir uns damit beschäftigten, wie wir schnell und einfach politische Forderungen für andere sichtbar machen (gemeinsames Bannermalen), wie wir unsere politischen Haltungen auf unsere Klamotten bekommen (Siebdruckwerkstatt) und wie wir mit beidem ausgestattet unsere Forderungen dann auf die Straße bringen können (Demo- und Aktionstraining). Ein liebes Dankeschön an Anna, Philipp und Salome, die uns das alles zeigen werden!

(12) Karaoke, Spieleabend und Schabernack

Schonmal „Zecke und Zifte“ gespielt? Nein? Dann wird’s Zeit! Unser SolidLandesvorstandsmitglied Nina kümmert sich während des gesamten Sommercamps darum, dass uns in den Pausen nicht langweilig wird. Am Freitagabend lernen wir uns gegenseitig beim Karaokeabend kennen und beim Nachmittagskäffchen am Samstag werden wir allerhand Schabernack treiben. Die Spielekiste ist gut gefüllt!

(13) Vegane Rundumversorgung mit der VoKü-Crew vom Klex


Seit vielen Jahren wird im Jugendzentrum Klex dienstags ehrenamtlich eine vegane VoKü angeboten. Wir freuen uns deshalb ganz besonders, dass sie sich die VoKü- Crew bereit erklärt hat, uns während des gesamten Camps mit Köstlichkeiten zu versorgen! Damit die Crew alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten berücksichtigen kann, meldet euch bitte rechtzeitig zum Sommercamp an und tragt diese auf dem Anmeldeformular ein.

(14) Punkkonzert in Kooperation mit Proton e.V.

Dieses Jahr können wir in unserem Programm ein ganz besonderes Schmankerl vorweisen. In Kooperation mit dem hauseigenen Klex-Verein Proton e.V. konnten wir ein Konzert auf die Beine stellen


Frau Bürgermeister sind eine Politpunkband aus Rostock mit klarer Haltung. Dort haben sie bereits jedem vernünftigen Laden einen Besuch abgestattet, jetzt kommen sie zu uns nach Greifswald! Ihr Song „Menschen“ gibt uns eine Kostprobe: „Menschen die an Grenzen sterben / Menschen die fürs Schießen werben / Menschen die nach Frieden streben / Profite die das Leben nehmen […] Und Europa rüstet auf / Mittelmeer ein Massengrab / Dahin wo wir Waffen liefern / Schieben wir die Menschen ab! // Weiter anteasern lassen könnt ihr euch unter: fraubuergermeister.bandcamp.com und instagram.com/frau_buergermeister.punk/


Restposten sind eine junge Salt and Pepper Punkband aus Greifswald und feiern trotzdem schon dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Im März 2017 veröffentlichten sie ihre erste CD mit dem Titel „Gnadenlos Günstig“, danach folgte 2020 das zweite Album „For Sail“. Punkige Gitarrenriffs treffen auf ohrwurmträchtige Melodien und Soli, gepaart mit einem knackigem und kreativem Bass und einem treibenden Schlagzeug. Dazu kritische und lustige Texte mit einer Portion selbstironischer Leichtigkeit. Wir freuen uns! Eine Vorschau gibt’s auf instagram.com/restpostenband/ und youtube.com/@restpostentv8467